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ROG Xbox Ally X – Hoffnungsträger oder nur ein weiterer Marketing-Gag von Microsoft?

Die Gaming-Welt liebt neue Hardware. Kaum kündigt ein großer Hersteller ein neues Gerät an, kocht die Gerüchteküche. Als Microsoft gemeinsam mit ASUS den ROG Xbox Ally X präsentierte, schien die Euphorie groß: Endlich ein Handheld, der Xbox-Spiele nativ und über Game Pass unterwegs erlebbar machen soll.

Doch die Frage, die viele wie ein Schatten begleitet, lautet: Können wir Microsoft überhaupt noch glauben?

Seit Jahren verspricht der Konzern aus Redmond Revolutionen, von „Gaming auf jedem Gerät“ bis „Cloud first, play anywhere“. Doch oft blieb von den großen Worten in der Praxis nur ein ernüchterndes „Beta-Erlebnis“. Der Ally X könnte nun die Wende bringen – oder die nächste große Enttäuschung.

Rückblick: Die verpassten Chancen der Xbox

Um die aktuelle Skepsis zu verstehen, muss man in die Vergangenheit schauen.

  • 2019 versprach Microsoft, dass Game-Pass-Spiele auf jedem günstigen Tablet laufen könnten. Cloud Gaming sollte die Konsolenwelt neu definieren. Die Realität: instabile Streams, Lags und schlechte Bildqualität.
  • 2021-2023 kämpfte Xbox mit schwachen Exklusivtiteln und einer unklaren Strategie, während Sony mit Blockbustern punktete und Nintendo mit der Switch noch immer den Massenmarkt dominierte.
  • 2024 brachte zwar erste solide Cloud-Umsetzungen, doch selbst leistungsstarke PCs litten bei manchen Xbox-Titeln unter Performance-Problemen – ein Armutszeugnis für eine Marke mit dem Anspruch „Power Your Dreams“.

Mit diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass der Ally X bei vielen Spielern zunächst auf Skepsis stößt.

Was ist der ROG Xbox Ally X?

Der Ally X ist ein Gaming-Handheld, entwickelt von ASUS in Kooperation mit Microsoft. Während der erste ROG Ally noch als Windows-Handheld in Konkurrenz zu Steam Deck und Lenovo Legion Go antrat, positioniert sich der Ally X nun explizit als Xbox-Gerät.

Technische Daten (Stand: August 2025)

  • Display: 7,9 Zoll OLED, 120 Hz, 1080p
  • Prozessor: AMD Ryzen Z2 Extreme APU (Zen 5 + RDNA 4)
  • Grafik: integrierte RDNA-4-GPU, ~6 TFLOPs
  • RAM: 24 GB LPDDR5X
  • Speicher: 1 TB NVMe SSD
  • Akku: 60 Wh, Schnellladen via USB-C
  • Gewicht: 650 g
  • Preis: ab ca. 799 €

Im Kern ähnelt er technisch dem Steam Deck 2 oder Legion Go 2025, setzt aber stärker auf Integration in das Xbox-Ökosystem: Game Pass, Xbox Cloud Gaming und native Unterstützung für Xbox-Controller-Eingaben sind tief im System verankert.

Das Versprechen

Microsoft inszeniert den Ally X als nahtlose Brücke zwischen Konsole und PC.

  • Game Pass unterwegs: Alle Spiele sollen sofort verfügbar sein, egal ob per Download oder Cloud.
  • Xbox-Integration: Fortschritte, Achievements und Freundeslisten werden automatisch synchronisiert.
  • Konsolenpower mobil: Wer Halo Infinite oder Starfield auf der Series X spielt, soll exakt dasselbe Erlebnis auch auf dem Handheld bekommen – nur eben mobil.

Klingt nach der perfekten Lösung. Doch ist das realistisch?

Praxis: Erste Eindrücke aus Tests

Frühe Hands-ons zeichnen ein gemischtes Bild:

  • Performance: Spiele wie Forza Motorsport und Halo Infinite laufen in 1080p flüssig bei 60 fps – solange man die Details reduziert. Anspruchsvollere Titel wie Starfield bringen die Hardware jedoch schnell ins Schwitzen, selbst mit FSR-Upscaling.
  • Akkulaufzeit: 2-3 Stunden bei AAA-Games, 6 Stunden bei Indies – solide, aber nicht revolutionär.
  • Cloud Gaming: Hier liegt die Schwäche. Trotz Verbesserungen bleibt die Bildqualität stark abhängig von der Internetverbindung. Unterwegs ist das Erlebnis selten konsolenähnlich.

Kurz: Der Ally X funktioniert, aber er erfüllt das Marketing-Versprechen nicht in allen Punkten.

Vergleich: Ally X vs. Steam Deck 2 vs. Legion Go

Gerät Preis (EU) Leistung (TFLOPs) Besonderheiten Zielgruppe
ROG Xbox Ally X 799 € ~6 Xbox-Integration, Game Pass Xbox-Fans, Game-Pass-Abonnenten
Steam Deck 2 699 € ~5,5 Valve-Ökosystem, Linux/SteamOS PC-Spieler, Indie-Fans
Lenovo Legion Go 2025 849 € ~7 Abnehmbarer Controller, Windows 12 Power-User, PC-Gamer unterwegs

Das Fazit: Der Ally X punktet mit Xbox-Integration, doch die Konkurrenz bietet ähnliche Hardware oft günstiger oder flexibler.

Kritikpunkte und offene Fragen

  1. Preisgestaltung: Mit 799 € ist der Ally X kein Schnäppchen. Für viele Gamer stellt sich die Frage: Warum nicht direkt eine Series X kaufen – oder ein Steam Deck, das mehr Freiheit bietet?
  2. Cloud-Gaming: Trotz Verbesserungen bleibt es ein Glücksspiel. Ohne perfekte Verbindung ist das Erlebnis weit entfernt von „Konsole in der Tasche“.
  3. Microsofts Track Record: Die größte Skepsis bleibt Microsoft selbst. Nach Jahren enttäuschter Erwartungen fällt es schwer, an ein Wundergerät zu glauben.

Hoffnungsschimmer

Und doch: Der Ally X könnte für Microsoft der richtige Schritt sein.

  • Die Hardware ist stark genug für 1080p-Gaming in den meisten Spielen.
  • ASUS bringt Erfahrung im Handheld-Segment mit.
  • Game Pass ist ein starkes Verkaufsargument – kein anderer Anbieter hat eine vergleichbare Spiele-Flatrate.

Wenn Microsoft diesmal Konstanz zeigt, Updates liefert und die Integration sauber hält, könnte der Ally X tatsächlich ein Erfolg werden.

Glauben oder Zweifeln?

Der ROG Xbox Ally X verkörpert Microsofts Dilemma perfekt: Auf dem Papier eine Vision von grenzenlosem Gaming, in der Realität jedoch von vielen Unwägbarkeiten begleitet. Für Xbox-Fans mit Game Pass mag er eine spannende Ergänzung sein. Für den Massenmarkt muss er jedoch erst beweisen, dass er mehr ist als ein weiterer Marketing-Coup. Wird der Ally X zum Symbol eines Neuanfangs – oder nur zur nächsten Fußnote in der langen Liste von Microsofts Fehltritten im Gaming-Segment?

Die Antwort hängt davon ab, ob Microsoft diesmal liefert, was es verspricht.

Meine Einschätzung: Hoffnung ja – Vertrauen nein.